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Textverarbeitung unter Linux

Vortrag vom 20. September 2001, Rest. Beaulieu

Wie sieht Textverarbeitung unter GNU/Linux heute aus? Was gibt es für Alternativen zum allgegenwärtigen Office-Monster aus dem Hause Kleinstweich? Wo liegen Stärken/Schwächen? Die Vorträge von Cedric und Christoph sind diesen Fragen nachgegangen. Der Vortrag zu Staroffice ist diesmal leider ausgefallen, wird aber asap nachgeholt.

SGML - docbook

Cedric/Patrik

Zuerst Grundsätzliches: SGML ist so etwas wie der Dachbegriff zu allen "Markup Languages" wie z.B. HTML, XML und eben docbook. Hier ist die grundlegende Struktur von Tags, Referenzen usw. festgelegt. Jede einzelne dieser Sprachen (oder besser SGML-Dialekte) definiert dann wieder für sich Tags, Gestaltungselemente, und vor allem, wie diese aussehen. Ein <TITLE>-Tag z.B. heisst in HTML und docbook zwar gleich, sieht aber in der Darstellung ganz anders aus und hat auch eine andere Funktion: in HTML ist es der Fenstertitel, in docbook eine Überschrift im Dokument.

Bei docbook werden nun Aussehen und Funktion der einzelnen Tags in sogenannten Stylesheets festgelegt. Dabei gibt es wieder allgemein systemweit gültige (etwa in /usr/share/lib/docbook) und dokumentspezifische Stylesheets.

Anders als bei HTML wird ein docbook-Dokument aber nicht direkt dargestellt (etwa von einem Browser), sondern vorher kompiliert. Und hier liegt eine der grossen Stärken des Systems: Aus einem Quelltext kann ich (fast) beliebige andere Formate erzeugen, so z.B. PDF, HTML, RTF, PostScript usw. Alles, was ich dazu brauche, ist ein entsprechender Compiler, und (natürlich) gibt es mit "Jade" auch einen Open-Source-Vertreter.

Einmal abgesehen von der enormen Flexibilität in der Gestaltung und plattformunabhängigen Dokumentenerstellung, gibt es noch einen anderen gewaltigen Vorteil, der vor allem in grösseren Unternehmen mit einer Vielzahl von (verstreuten, verschiedenen) Dokumenten zum Tragen kommt: Da es sich bei docbook-Dokumenten im eigentlichen Sinn um "Source Code" handelt, bietet sich die Verwaltung der Dokumente z.B. mit einem Code-Verwaltungssystem wie z.B. CVS direkt an. So kann unternehmensweit sichergestellt werden, dass von einem Dokument immer nur eine gültige Version auf einmal besteht (alte Versionen aber immer noch greifbar sind), dass nur berechtigte Personen daran arbeiten können und das Aussehen (Stylesheets) aller Dokumente identisch ist.

Da docbook-Dokumente direkt im Source Code editiert werden, ist ein guter Editor natürlich Gold wert. Ein alter Bekannter, der Emacs, hat eine Erweiterung für docbook/SGML, mit der er jeden WYSIWYG-Editor bei der Erstellung der Dokumente im Regen stehen lässt.

O-Ton eines geplagten Admins, der sich täglich mit der Verwaltung hunderter Word-Dokumente herumschlägt: "Mein Gott, oh mein Gott ... das Paradies...!" (Seine Stimme klang zittrig, seine Augen hatten einen feuchten Glanz bekommen.)

LaTex

Christoph/Christoph

Der Klassiker im Dokumentensatz unter Unix (sämtliche SuSE-Bücher werden z.B. mit LaTex gesetzt).

Vieles, was über docbook gesagt wurde, gilt auch für LaTex: So wird auch hier zuerst ein Dokument im Source Code erstellt, das dann von einem Compiler in verschiedene Ausgabeformate umgewandelt wird. Auch hier handelt es sich um ASCII-Texte, die sich bestens über CVS verwalten lassen. Anders als bei docbook/SGML wird das Aussehen der Textabschnitte aber nicht über Tags definiert, sondern (Programmierer werden sich zu Hause fühlen) über Funktionen. Und für diese Funktionen können Prototypen geschrieben werden, die genau festlegen, wie der Compiler ("latex") die folgenden Zeichen/Zeilen bei der Übersetzung behandelt. Aber keine Angst: für den täglichen Gebrauch sind bereits ausreichend Makros vorhanden. Und den Typ des Dokuments kann man bequem über vordefinierte (oder selbst geschriebene) Dokumentenklassen ("book", "letter" ...) festlegen.

LaTex ist legendär für die Qualität seiner Druckausgabe. Und Christoph konnte locker zeigen, dass diese Legende wahr ist: Dermassen sauber geschnittene Charakter, ausgeglichenes Schriftbild, exakten Satz und Umbruch kann wohl kein anderes Satzsystem liefern, und sei es noch so teuer.

Zum Schluss konnten wir noch einen Blick auf KLyx werfen, ein grafisches Frontend zu LaTex. Interessant hier, dass man mit KLyx den Text in einer Art Vorschau-Ansicht editiert, die ungefähr zeigt, wie das Dokument aussieht. Anschliessend wird der Text auf Knopfdruck kompiliert und angezeigt.

Alles in allem scheint LaTex sich besonders für die Gestaltung umfangreicherer Drucksachen zu eignen, wie auch für Dokumente, in denen mathematische Formeln vorkommen. Denn die stellt LaTex in unübertroffener Qualität dar. Besonders bei Markus als altem Typografie-Verseuchtem stiess es daher auf reges Interesse.

Markus


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